Karin Seifried am Brennofen

Werkstatt mit Glasuren

Werkstoff Ton

Keramos - griechisch, Trinkhorn
Kerameus - Töpfer
Kerameikus - Bezeichnung für Athener Stadtviertel, das den Töpfern zugesprochen wurde

Die ältesten keramischen Funde von Jericho - Palästina werden mit 7000 v. Chr. datiert: Wulsttechnik mit Stab geglättet. Die Entwicklung der Töpferscheibe entstand ca. 4000 v. Chr. im Zweistromland (Mesopotamien, Irak), Vorderasien.

Ton ist ein Verwitterungsprodukt, besteht aus Quarz, Feldspat, Kaolin und anderen Materialien; Eisenoxydanteil für Rotfärbung, Mangan für Schwarzfärbung.


Struktur des Tones

Mikroskopisch kleine Stäbchen, die kreuz und quer stehen, daher muss der Ton gut durchgeknetet sein, damit er plastisch und homogen wird.


Sorten

Es gibt weißen, roten, lachsfarbenen, braun brennende Tonsorten. Ton kann ganz fein, fett und glatt sein - diese Sorte nimmt man für sehr feine, kleine Arbeiten.

Ton mit Schamott versehen - das sind vorgebrannte feine Tonkörnchen, die dem Werk Stabilität verleihen - verwendet man für größere Werke.
Schamottierten Ton 25 - 40 % gibt es in fein oder grob. Stark schamottierte Tone nimmt man für größere Aufbautechnik und Plattentechnik, auch für Fliesen und Reliefs.


Arbeiten mit Ton und Brennen

1. Formen des Werkstücks
2. Langsames Trocknen
3. Rohbrand
4. Glasieren
5. Glasurbrand


Techniken

Daumentechnik

Diese Technik steht am Anfang in den meisten Töpferkursen. Sie ist mit Sicherheit der Einstieg, der dem Material Ton am gerechtesten wird. Der Klumpen Ton wird mit beiden Händen zu einer runden Kugel geschlagen, mit dem Finger ein Loch in die Mitte gedrückt und durch weiteres Drücken mit den Fingern von innen nach außen langsam und gleichmäßig in eine gleichwandige Form gebracht.

Am Anfang besser etwas dickwandiger (10  mm) arbeiten, denn dünnwandige Gefäße (5 mm) verlieren rascher ihre Stabilität und damit auch ihre Form. Berühmt und kostbar sind die legendären Rakuschalen aus Japan (Raku = eine bestimmte Brenntechnik).


Aushöhlmethode

Ein Objekt z. B. ein Tier) wird aus einem Stück Ton modelliert. Anschließend wird das Objekt in zwei Teile zerschnitten und beide Teile mit einer Schlinge ausgehöhlt, danach werden die Hälften wieder (mit Schlicker = Klebestoff, Ton mit Wasser vermengt) verbunden, fest angedrückt und gut verstrichen.

Wichtig: Ein Hohlkörper muß immer eine Öffnung (wenn auch nur eine winzig kleine) nach außen haben, sonst explodiert das Werkstück im Brennofen, da sich eingeschlossene, erwärmte Luft Platz verschafft. Schon ein Nadelstich genügt, und das Problem tritt nicht auf.


Wulsttechnik

Der Tonklumpen wrid durch Drücken in der Hand zu einem dicken Wulst geformt. Gerollt wird dann mit wenig Druck und mit flach gestreckten Händen auf einer Holzplatte. Durch übereinandersetzen der Tonrollen entsteht eine zylindrische oder bauchige Form. Die einzelnen Wülste müssen außen oder innen gut in eine Richtung verstrichen werden.


Plattentechnik

Ein großer Tonklumpen wird zuerst mit der Faust, der Handkante und später mit der flachen Hand groß auskgelopft. Nun wird der Ton mit dem Nudelholz auf die gewünschte Stärke ausgerollt (ca. 6 mm bis 10mm). Aus der ausgerollten Platte können die gewünschten Tonflächen mit einem Messer ausgeschnitten und zusammengesetzt bzw. zusammengerollt werden - für zylindrische oder eckige Formen. Die ausgerollte Tonplatte kann auch in Formen (z. B. Schüsseln) hineingedrückt werden. Auch Relief und Fliesen macht man mit der Plattentechnik.


Strukturen

Strukturierte Oberflächen können mit den Fingern, mit Hölzern, Muscheln, Steinen, Kernen, Gräsern, Stoffen, Netzen und vielen anderen Dingen gemacht werden.


Figurales Modellieren

Ein Objekt wird aus dem vollen Tonklumpen herausgeformt. Zu dicke Stellen müssen von unten ausgehöhlt werden. Der Ton sollte an keiner Stelle dicker als 25 mm sein, sonst besteht die Gefahr, dass er zerreißt.


Gießen

Flüssigton wird in eigens dafür angefertigte Gipsformen gegossen (Industrielle Fertigung - gut für Serien, Vervielfältigungen).


Drehen auf der Töpferscheibe

Beim Formen auf der Töpferscheibe wird ein in schnelle Drehung versetzter Tonklumpen mit den Händen oder mit Schablonen zu einem rotationssymmetrischen Gefäß ausgezogen. Diese traditionelle Handwerkstechnik erfordert sehr viel Übung.


Brennen

Der Rohbrand /Schrühbrand erfolgt im keramischen Ofen bei 950 – 1000 Grad. Der Ofen braucht etwa 6 Stunden zum Aufheizen und etwa 20 - 30 Stunden (je nach Ofengröße) zum Abkühlen. Der Ofen darf frühestens bei 60 Grad langsam geöffnet werden. Der Ton schwindet durch um das Trocknen und Brennen um 7 - 10 %.


Glasieren

Glasuren sind dünne Glasüberzüge, die den porösen Keramikkörper nahezu wasserdicht machen und ihm eine leicht zu reinigende, dekorative Oberfläche verleihen. Für den Glasurauftrag gibt es mehrere Möglichkeiten:

Es gibt matte, glänzend, transparente, deckende Glasuren sowie einfärbige und solche mit Effekten. Beim Glasieren selbst sieht man die Farbe nicht (oder man verwendet Fertigglasuren zum Streichen). Glasurpulver wird mit Wasser zu einer Creme-ähnlichen Konsistenz angerührt und mit dem Pinsel auf das roh gebrannte Stück aufgetragen. Das Objekt kann dann gleich in den Ofen gegeben werden.


Engobe eignet sich zum Einfärben, ist aber keine Glasur! Engobe besteht aus Tonpulver und wird mit Oxyden, Karbonaten, Phosphaten oder Schwermetallen eingefärbt.


Dekore können mit Unterglasurfarben - sie sind wie Deckfarben zu vermalen - angebracht werden. Auf den rohgebrannten Scherben wird gemalt und sofort durchsichtig drüberglasiert. Danach erfolgt der Glasurbrand.


Glasurbrand

Beim Glasurbrand wird der Ton - je nach Glasur und Tonsorte - bei 1040° C oder 1200° C gebrannt. Die Brenndauer ist ähnlich lange wie beim Rohbrand. Die Werke bleiben 36 Stunden im Ofen.